Weibliche Regimentschefs und Heldenjungfrauen : Frauen, Uniformen und Militär im Königreich Preußen
In der gemeinhin als frauenfrei geltenden königlich preußischen Armee waren gelegentlich sehr wohl Frauen anzutreffen, zum Teil versteckt handelnd, zum Teil in offiziell-repräsentativer Funktion. Der folgende Beitrag untersucht erstmals diese beiden Phänomene in der Doppelperspektive: die Frauen aus der Bevölkerung, die als Mann verkleidet in die Armee eintraten und in Mannschaftsrängen Kriegsdienst leisteten, sowie die Frauen, die zum Haus Hohenzollern gehörten und von den Herrschern zu Regimentschefs ernannt wurden. Während das Transvestieren, also das Einnehmen der Rolle eines anderen Geschlechts mittels Kleidung, das Forschungsinteresse vor allem der Gender Studies bereits mehrfach auf sich gezogen hat, ist das höfisch-militärische Ehrenamt adeliger Damen – eine preußische Erfindung – bislang vergleichsweise selten betrachtet worden. Dabei verliefen beide Entwicklungen weitgehend parallel. An Akteurinnen aus beiden Bereichen, unter ihnen Anna Sophia Dettloff und Eleonora Prochaska sowie Königin Luise und Prinzessin Victoria Luise, werden die Motive der Frauen und ihre Handlungsräume sowie die zeitgenössischen und historiografischen Deutungen der Phänomene umrissen.