"Es ist einem jeden erlaubt, diese Seltenheiten in Augenschein zu nehmen." : Das Berliner Schloss und seine Sammlungen als touristische Sehenswürdigkeit 1650-1918

Völkel, Michaela VIAF

Wie alle europäischen Residenz- und Lustschlösser stand auch das Berliner Schloss der nichtadeligen Öffentlichkeit bereits rund 300 Jahre vor seiner Umwandlung in ein Schlossmuseum zu Besichtigungszwecken offen. Während dieser Schlossbesichtigungen gewährte man dem Publikum phasenweise Zugang zu weit mehr Räumen, als dies im Rahmen einer offiziellen Audienz möglich war. Eine Zugangsbeschränkung stellten lediglich die hohen Trinkgelder dar, die für die Besichtigung erwartet wurden. Lange deckte sich die Neugier der Besucher auf die Sammlungen und den zur Schau gestellten Reichtum mit dem Interesse der Schlossherren, fürstliche Magnifizenz, Dynastiegeschichte und Geschmack zur Schau zu stellen. Mit der Vereinnahmung der im Schloss präsentierten Kunstwerke für einen eigenständigen Kunstdiskurs und der zunehmenden Kritik an den Ausgaben für höfische Repräsentation begann sich der Blick der Besucher auf das Schloss seit dem späten 18. Jahrhundert jedoch zu verändern und damit den Verlust der fürstlichen Deutungshoheit über das Schloss einzuläuten.