Italiani o Ottomani? : La seconda generazione di immigrati italiani a Istanbul (Ottocento – primo Novecento)

Bossaert, Marie VIAF

Die jahrhundertealte Präsenz italienischer Migranten in Istanbul durchlief im Laufe des 19. Jahrhunderts einen tiefgreifenden Wandel, der zunächst durch den Zustrom politischer Exilanten des Risorgimento, dann großenteils durch die Wirtschaftsmigranten ausgelöst wurde. Im folgenden Artikel werden diese Bevölkerungsgruppen vor allem in ihrer zweiten Generation, das heißt an ihren im Osmanischen Reich geborenen Kindern untersucht. Ohne ein Zusammengehörigkeitsgefühl vorauszusetzen, beschreibt der Artikel ihre Sozialität, ihre Loyalitäten und Identifikationen, um auf diese Weise den „italienischen“ bzw. „osmanischen Anteil“ ihrer Persönlichkeitsstruktur auf verschiedenen Ebenen und in ihren jeweiligen Ausdrucksformen zu erhellen. Nach einem Überblick über die Geschichte der italienischen Bevölkerungsgruppen analysiert der Artikel die Instrumente, die man bei der Entwicklung einer Italianität mit Blick auf die Herausbildung des italienischen Nationalstaates einsetzte (Vereine, Schule, Sprachenpolitik), arbeitet aber auch ihre Grenzen heraus. Am persönlichen Lebensweg von Angelo Scanziani, dem Sohn eines lombardischen Migranten, Sekretär und Übersetzer von Sultan Abdülhamid II., lässt sich beispielhaft aufzeigen, wie vielfältig die Loyalitäten waren und wie das Zugehörigkeitsgefühl dabei eher individuellen als nationalen Kriterien gehorchte. Aus einer solchen Perspektive verstehen sich Sprachen nicht etwa als Instrument einer ungreifbaren nationalen Identität, sondern vielmehr als einsetzbares und fruchtbringendes Kapital.

The centuries-old Italian presence in Istanbul was profoundly affected during the 19th century by the arrival first of Risorgimento exiles and later of mainly economic immigrants. This paper investigates these reconfigurations by focusing on the second generation – i. e. the children of Italian immigrants born in the Empire. Without assuming that they had a sense of belonging to a community, the paper examines their sociability, loyalties, and identifications in order to investigate their „Italian part“ and their „Ottoman part“, as well as the internal nuances of these two parts and their possible articulations. After an overview of this new presence, the paper analyses the establishment of a national Italianity and its means (associations, schools, linguistic policies) in relation to the construction of the Nation State in Italy, and its limitations. By examining an individual trajectory – that of Angelo Scanziani, son of a Lombard immigrant, dragoman of the sultan Abdülhamid II – the paper shows that loyalties were multiple and that affiliations were more individual than national. In this regard, languages are a capital rather than the instrument of an elusive national identity.

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