Ein Maulwurf in Wien? : Informationssicherheit, geheimdiplomatische Maßnahmen und Wissensgenerierung während der Vorverhandlungen des Westfälischen Friedenskongresses 1643–1644

Walter, Maren GND

Der Artikel untersucht die geheimdiplomatischen Aktivitäten der kaiserlichen Gesandtschaft in Osnabrück während der Vorverhandlungen des Westfälischen Friedenskongress 1643/44. Es wird der Frage nachgegangen, ob die Anwendung von geheimdiplomatischen Maßnahmen zu einer verbesserten politischen Handlungsfähigkeit beitrug. Eine Schlüsselfigur der kaiserlichen Geheimdiplomatie war der Osnabrücker Gesandte Johan Weikhard von Auersperg, von dem eine große Anzahl chiffrierter Schreiben sowie detaillierte Überlegungen zum Schutz der Korrespondenzen vorliegen. Sein Engagement in Hinblick auf das zentrale Ziel der kaiserlichen Politik, ein Offensivbündnis mit Dänemark gegen Schweden, war wenig erfolgreich, doch diente es dem ehrgeizigen Gesandten vermutlich als ‚Karrieretrigger‘, da er sich während der Vorverhandlungen des Kongresses innerhalb der Trias des Aufgabenfeldes diplomatischer Tätigkeit (Verhandeln, Repräsentieren, Informieren) nur auf der Informationsebene profilieren konnte. Parallel zu den Bündnisverhandlungen mit Dänemark wurden Gerüchte über einen vermeintlichen ‚Maulwurf‘ in Wien bekannt, als deren Urheber sich die schwedische Gesandtschaft identifizieren ließ. Immer wieder mit Fehlinformationen und Intrigen konfrontiert und nicht wissend, ob es den Maulwurf tatsächlich gab oder nicht, waren die kaiserlichen Gesandten kaum mehr in der Lage, den Wahrheitsgehalt von Informationen zu bewerten, die sie selbst mit spionageartigen Mitteln erschlossen hatten.

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