Japan in Rom : Wissensräume der Keichô-Gesandtschaft zwischen Diplomatie und Mission (1615–1617)

Brevaglieri, Sabina GND

„Am 29. Oktober 1615 hielt ein Botschafter in Rom Einzug, der aus Indien kam, Bruder des Königs von Japan“: Mit diesen Worten leitete Giacinto Gigli im „Diario di Roma“ die Erzählung über den Aufenthalt des japanischen Adligen und Konvertiten Hasekura Tsunegaga und des spanischen Franziskaners Luis de Sotelo in Rom ein; Date Masamune, Daimyo des Königreiches von Voxu in Japan hatte sie zunächst an den Hof Philipps III., dann Pauls V. entsandt. Über die spanischen Routen im Pazifik, nach einer wichtigen Station in Mexiko, einer Atlantiküberquerung und einem langen Aufenthalt in Madrid gelangten sie in einer nachhaltigen Aufschwungsphase des päpstlichen Universalismus in die Ewige Stadt. Früh schon und kontinuierlich hatte sich das Interesse der Historiker auf die sogenannte Keichô-Mission (1613-1617) gerichtet, die als zweite japanische Gesandtschaft auf die bekannte, vom Jesuiten Alessandro Valignano gegen Ende des Pontifikats von Gregor XIII. (1585) betriebene Initiative folgte. Unter Heranziehung der Ergebnisse der jüngeren, von den Impulsen der Globalgeschichte bereicherten Geschichtsschreibung greift der Beitrag das Thema der japanischen Mission von 1615 in Rom unter einem neuen Blickwinkel wieder auf. Am Schnittpunkt verschiedener historiographischer Traditionen sollen hier als Teil eines umfassenderen Forschungsprojekts ‚Sondierungen‘ zur römischen Wissensproduktion über Japan in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts und zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges vorgenommen werden. Ziel dieses Beitrages ist es, die Prozesse und Modalitäten zur Generierung des Wissens über Japan im Zusammenhang mit der Keichô-Mission und vor dem Hintergrund des mehrpoligen und vielschichtigen römischen Raums herauszuarbeiten. Konkret werden Gestalt und Struktur einer komplexen Kommunikationssphäre des Politischen nachgezeichnet; verschiedene Akteure und vielfältige Weisen, in denen die Japaner in Rom in ihrer Nähe und Distanz erfahren werden, kommen dabei zur Sprache. Die Wissensbestände erscheinen als Ressourcen, die von unterschiedlichen Akteuren als Ausdruck verschiedener Arten von Ansprüchen mobilisiert werden, wobei die Grenzen zwischen Diplomatie und Mission verwischen und die Verbindung von politischer Information, Kenntnissen zeremonialer Regeln und katholischem Orientalismus beständigneu definiert wird. In einer Phase, in der der Plan zur Einrichtung der Kongregation De Propaganda Fide (1622) heranreift, erweist sich die Keichô-Mission unter einem solchen Blickwinkel als ein entscheidender Schritt im Entstehungsprozess eines facettenreichen, konfliktträchtigen und unausweichlich pluralen päpstlichen Universalismus.

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