Samt und Seide in 3D : Reliefstickerei im Potsdamer Stadtschloss

Evers, Susanne GND

Die große Zeit der Goldstickerei ging schon fast zu Ende, als Friedrich II. um die Mitte des 18. Jahrhunderts für die neu einzurichtenden Appartements im Potsdamer Stadtschloss bei seinen Hofgoldstickern Heinitschek und Pailly ganze Zimmerausstattungen in Auftrag gab und enorme Summen dafür bereitstellte. Zwei Kaminschirme bezeugen als einzige erhaltene Elemente die Kunst der Reliefstickerei im Potsdamer Stadtschloss. Die auf Samt in Gold, Silber und Seide applizierten Motive entwickeln aufgrund ihrer Plastizität und des kostbaren Materials eine starke Wirkungsmacht. Seit dem 17. Jahrhundert dienten Goldstickereien auf fürstlichen Repräsentationsobjekten wie Baldachinen, Thronen, Kutschen und Sänften der dynastischen Selbstdarstellung und der Demonstration monarchischer Würde. Im 18. Jahrhundert werden sie dann, gleichranging mit Reliefs aus Holz oder Stuck, zum integralen Bestandteil des Raumkunstwerks.